Privater Notfallrucksack: Brauche ich Intubation und Medikamente?



Der Survial-Pack: Der Ideale Medic-Rucksack? 


"Flucht- und Überlebensrucksack für die persönliche Ausrüstung."  Das ist die offizielle einleitende Beschreibung von Tasmanian Tiger. Nun kann man Medizin und Überleben natürlich miteinander assoziieren. Grund genug für mich also, den Survival Pack als Medic-Rucksack zu testen und vorzustellen.

Doch zuallererst ein paar Zahlen:

Abmessungen: 45 x 26 x 13 cm

Volumen: 16 l

Gewicht: 1,36 kg

Material: CORDURA® 700 den



16 Liter? Reicht das überhaupt aus?


Zugegeben, im Vergleich zu Notfallrucksäcken, welche beispielsweise im Rettungsdienst genutzt werden, wirken diese 16 Liter mehr als spartanisch. Denn dort gibt es Rucksäcke die doppelt, sogar mehr als das vierfache und mehr Volumen vorweisen.
Doch was benötigen wir wirklich IN DEUTSCHLAND,  wo in der Regel nach spätestens 15 Minuten ein Rettungssmittel eintrifft, bzw eintreffen sollte? Wem das hier noch nicht als Denkanstoß geholfen hat: Was kann ich im Zweifelsfall alleine am Patienten durchführen bis der Rettungsdienst eintrifft?
Nach diesen zwei Grundfragen habe ich meinen Rucksack zusammen gestellt. Intubationsmaterial, wie zum Beispiel Endotracheal- und Larynxtuben habe ich zum Beispiel komplett weggelassen. Bin ich alleine, bzw als einzige,medizinisch qualifizierte Person anwesend, könnte ich natürlich versuchen zu intubieren. Ich darf es theoretisch, da ich es in meiner Ausbildung gelernt habe, aber wie sicher behersche ich diese Maßnahme wirklich? Und wenn der Tubus liegt? Auskultieren? Fixieren? Beatmen und ggf. sogar Thoraxkompressionen durchführen? Schwierig "alleine"...

Beim Larynxtubus sieht es aufgrund seiner Anwendung zwar am Anfang leichter aus, aber auch hier gilt wieder: Kontollieren, fxieren und beatmen bei einer eventuellen Reanimation führt zu einer kritischen, wenn nicht sogar mangelhaften Versorgung des Patienten.  



Ein Notfallampullarium?


Ich sage hier ganz klar nein! Warum?

  • Die meisten Medikamente in der Notfallmedizin sind verschreibungspflichtig.
  • Notfallmedikamente sollten, wenn sie appliziert werden,  beispielsweise durch  EKG, Blutdruck, Sauerstoff- und Blutzuckerüberwachung begleitet werden um einen Erfolg/ Misserfolg festzustellen und bei Komplikationen frühzeitig handeln zu können. (Ausnahmen hierfür wären zum Beispiel taktische Lagen.)
  • Die meisten Medikamente müssen bei Raumtemperatur gelagert werden. Diese liegt bei etwa 15-25°C. und lässt sich zum Beispiel im Kofferraum eines PKW nicht, oder nur unter besonderen Maßnahmen einhalten. 
  • Temperaturschwankungen können nicht nur die Haltbarkeit herabsetzen, sondern auch die Wirksamkeit verschiedener Medikamente, welche die therapeutische Dosierung beeinflusst.
  • ...



Gibt es auch eine Ausnahme?


Ja, aber das muss jeder selber abwägen. Ich habe in meinem Rucksack zum Beispiel Jubin für die orale Gabe, da ich in meinem Bekannten- und Familienkreis Diabetiker habe. Für die, denen Jubin nichts sagt: Jubin ist ein Zuckergel, meistens 40g, welche im Leistungsportbereich häufig anzutreffen ist, um bei körperlicher Extrembelastung dem Körper schnell und vor allem einfach Energie in vorm von Zucker zuzuführen.

 Die zweite Ausnahme ist bei mir Jonosteril 500ml. Hierbei handelt es sich um eine isotone und isoione Elektrolytlösung zum primären Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. Rechtlich eine Grauzone, denn das Legen eines intravenösen Zuganges kann als Körperverletzung angesehen werden. Hier sollte dringlichst das Einverständnis des Patienten eingeholt werden.

Tatsächlich habe ich es aber auch noch nie erlebt, dass, wenn ein Ersthelfer einen Zugang gelegt hat, es im Nachhinein zu einer Anzeige oder Beschwerde kam. Ich möchte jetzt aber nicht weiter auf dürfen und nicht dürfen bei dieser Maßnahme eingehen, denn dies muss jeder selber für sich entscheiden. Denn Fakt ist: Jonosteril ist frei verkäuflich und kann somit rechtlich gesehen frei besessen werden. Allerdings sollte man auch hier, wie oben schon angesprochen, auf die Temperatur achten.


Was wäre denn wichtig?


Ganz klar ein "Blutstillungsset. Zusätzlich zum "normalen" Verbandmaterial sollte man, natürlich nach entsprechender Schulung, Chito-Gauze, Israeli-Bandagen, bzw "Notverbände" und Tourniquets mitführen, um einen Patienten mit einer akuten Blutung adäquat und vor allem schnell versorgen und somit vor dem verbluten zu retten.

Chitogauze ein mit Chitosan behandeltes hämostatischer, also blutstillender Verband, welcher für das Woundpacking genutzt wird. Woundpacking? Ja genau... man stopft den "Verband" vorzugsweise in Wunden, welche nicht durch ein Tourniquet versorgt werden können und füllt somit den Blutungsraum aus. Das Chitosan sorgt für eine Blutgerinnung und kann somit eine Blutung eindämmen, wenn nicht sogar stoppen. Wichtig ist hierbei, dass ein Druckverband angelegt  oder manueller Druck ausgeübt wird.

Der eben genannte Druckverband lässt sich am einfachsten mit der Israeli Bandage, in Deutschland vermarktet als "Notverband" ausüben. Aber natürlich lässt sich der Verband auch ohne Chitogauze anwenden. Idealerweise überall dort, wo eben ein Druckverband indiziert ist. Natürlich kann man ihn auch als normalen Verband nutzen.

Das besondere an der Bandage ist, dass sie einen Druckapplikator hat, mit der man durch eine spezielle Wickeltechnik Druck auf die Wunde, z.B. Schnittverletzungen an größeren Blutgefäßen, ausüben kann.

Ebenfalls wichtig ist eine einfache Rettungsdecke. Egal ob Winter oder Sommer: Patienten, besonders Traumapatienten, kühlen schnell aus. DIes kann zum Beispiel daran liegen dass die Körperwärmeregulation beeinträchtigt ist oder bei starken Blutverlusten einfach der Wärmetransport nicht mehr gewährleistet ist. 
Und bevor ihr euch fragt, welche Seite, Silber oder Gold, wann nach aussen muss: Im Notfall und Unsicherheit ist das fast egal. Natürlich wäre es besser, die silberne Seite zum Wärmeerhalt nach innen zu legen, da diese Infrarotwärmestrahlung zu 99% reflektiert und die goldene "lediglich" 97%, aber bevor man lange überlegt und diskutiert: "Egal- irgendeine Seite!".


Fazit


Im laufe meiner taktischen und zivilen Medizin habe ich eins gelernt: Basismaßnahmen bilden die Basis der Erstversorgung. Bevor ich mich zum Beispiel auf den Versuch einer Intubation im Rahmen einer Reanimation konzentriere, sollte ich ersteinmal eine adäquate Thoraxkompression gewährleisten.
Natürlich schindet ein Ampullarium bei "Zivilisten" Eindruck, bringt mir aber nichts, wenn ich den Patienten in eine Asystolie oder ventrikuläre Tachykardie spritze...

                                                      Für alle, die "meinen" Notfallrucksack anschauen wollen:

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